GM Turnier Hockenheim/Willingen - Juni 2006
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Fünf ausgekämpfte Partien sah der erste Tag des Großmeisterturniers im Motodrom Hotel am Hockenheimring. Ein sportlicher Rahmen, ein kämpferischer Klangrahmen. Und vier Sieger. Am Brett und nicht auf der Piste. Vyacheslav Ikonnikov nutzt die Zeitnotprobleme des jungen Niederländers Wouter Spoelman zum entscheidenden Königsangriff. "Ich habe viel Zeit im Mittelspiel verloren.", so der 16jährige. So profitierte Ikonnikov: "Weiß hatte zu wenig Zeit für eine komplizierte Stellung." Zwei, drei ungenaue Züge und der König stand zu offen, darüber sind sich beide einig. Der erfahrene Russe siegt.
Trotz seines Anzugsvorteils: Oleg Romanischin kann Max Meinhardt (Bild links) auch nach knapp vierzig Zügen nicht schlagen; das einzige Remis an diesem Tag. Fabian Döttling zollt seinem Gegner Rainer Buhman Respekt: "Rainer stand nach der Eröffnung besser. Statt 13. - a6 wäre Sf6-d7 genauer gewesen." 29. f4 verpasst Buhmann. Döttling: "Ein starker Zug. Da gäbe es dann viel zu rudern für mich, sehr unangenehm für Schwarz zu spielen." Doch nach der verpassten Chance steht Döttling besser und läßt sich die Gelegenheit zum Sieg nicht nehmen.
Tomashevsky, Döttling, Meier und Ikonnikov heißen die Sieger des Tages. |
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Fotos: Alissa Berger
Die Partien Döttling gegen Meier und Ikonnikov gegen Romanischin enden Unentschieden. Georg Meier nimmt dabei eine schwierigeres Endspiel auf sich: "Das
Läuferpaar habe ich aufgegeben, weil ich den entstehenden Stellungstyp
gut kenne. Ich stand schlechter, aber konnte alles gut zusammenhalten."
In der Partie der Veteranen übernimmt Ikonnikow mit einem Doppelbauer
auf c3 und c4 "eine große Veranwortung" (Romanischin).
Doch er übersieht beim Tausch 16. cd5 die Antwort 16. - f5. |
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Nebenbei erwähnt...
Das Leben der Schiedsrichter wird auch von der FIDE unterstützt – durch die neue Bedenkzeit. Diese ist durchaus Schiedsrichter freundlich, denn das „wilde Gezocke“ in der Zeitnotphase fällt weitgehend weg. Entsprechend muss der Herr in Schwarz weniger eingreifen – hat er dadurch ein langweiligeres LEBEN? Bestimmt nicht, aber dafür ein Schöneres. Aber wie sieht es mit Schiedsrichtern überhaupt aus? Wissen eigentlich die Vereinsmitglieder, dass ausgebildete Schiedsrichter Mangelware sind und für entsprechende Turniere oft Schiedsrichter von außerhalb geholt werden müssen? Bestimmt nicht, denn viele halten ihren Schachsport für eindeutig und den Schiedsrichter nur für denjenigen, der die Partieformulare einsammelt und die Ergebnisse weiterleitet. Doch weit gefehlt – es kommt weit öfters zu Regelwidrigkeiten als gedacht wird, denn viele Spieler kennen die Regeln nicht tiefgründig genug. Was wäre in solchen Situationen ohne Schiedsrichter ? Deshalb: Es sollten mehr Schiedsrichter ausgebildet und Spieler sollten
dazu verpflichten werden, das Regelwerk genau zu studieren, vor allem
dann, wenn sie zu Unrecht reklamiert haben. (Alissa Berger) |
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Fotos: Alissa Berger
Nach beidseitig scharfem Spiel endet die Caro-Kann Partie zwischen Wouter Spoelman und Fabian Doettling mit einem Unentschieden. Döttling:" Meine Zeiteinteilung war furchtbar. Statt 26. - Ld6 wäre Lc5 besser gewesen. Das verhindert Db3 wegen Se4. Nach 26. - Ld6 27. f3 Lc5 kontrolliert Weiß das Feld e4 und kann Db3 spielen. Die Stellung ist unklar." Spoelman: "Ja, einige von Fabians Zügen waren nicht ganz genau. Doch ich fand keinen klaren Plan, so habe ich zu d6-d7 gegriffen, um die Stellung in der Zeitnot kompliziert zu machen." Döttling: "Nach 34. Dc6 droht Sd6: Dann ist 36. Tc5: die Folge. Nun geht bc: nicht wegen Sa5 und der weißen Felderschwäche auf der Diagonale a8-d5. "
Der 54jährige Oleg Romanischin (Foto rechts unten) erzielt mit Weiß gegen den 21jährigen Alexander Gasthofer einen kleinen Eröffnungsvorteil. Er verdichtet seine Stellungsvorteile, gewinnt einen Bauern, doch das Turmendspiel endet mit einem Remis. Drei Bauern, Springer und eine aktive Stellung gegen einen Turm reichen Rainer Buhmann nicht Evgeny Tomashevskys zähen Verteidigungszauber zu überwinden. "Es ist unmöglich eine solche Stellung nicht zu gewinnen", kommentiert Tomashevsky erleichtert sein Entkommen nach 81 Zügen. Und so endet der Tag mit der gemeinsamen Tabellenführung von Ikonnikov und Tomashevsky (2,5/3) und für einige Nachwuchsspieler im Hockenheimer Aquadrom. |
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Fotos: Alissa Berger
Im Duell der beiden führenden Vyacheslav Ikonnikov und Evgeny Tomashevsky siegt die Friedfertigkeit. " Es war ein kompliziertes Spiel. Weiß hat keine Eröffnungsvorteile bekommen. Und wir waren beide vorsichtig," resümiert Ikonnikov. Es war für beide das erste Aufeinandertreffen am Brett. "Zu Halbzeit des Turniers bin ich zufrieden, aber ich muß auch gut in der zweiten Hälfte spielen." "Ich bin ein Vollidiot," Fabian Döttlings Emotionen nach seiner Partie gegen Oleg Romanischin sind groß. "Erst überspiele ich die schwarze Stellung völlig, dann bin ich zu ungeduldig." Mit 27. b5 greift er fehl (besser 27. Lc4). Nach dem Tausch auf b5 antwortet der Ukrainer ad hoc mit 28. - a5 und was selbst für geübte Laien nach Bauernverlust und Qualitätseinsteller aussieht, entpuppt sich als chancenreiches Gegenspiel. Die weißen Bauern f4 und g5 werden schwach. Remis.
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Montag, 5. Juni Foto: Volker Widmann
Das Großmeisterturnier zieht nach Willingen ins Hotel Sauerlandstern
um. Dort findet die zweite Hälfte des Turniers im Rahmen der Deutschen
Jugendeinzelmeisterschaften statt. |
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Fotos: Alissa Berger
Und morgen ist für alle ein neuer Tag mit neuen Gegnern... |
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Fotos: Alissa Berger und DSJ
Drei schnelle Remis bringt der sechste Spieltag des Turniers. Im Spitzenduell trennen sich Döttling (Foto rechts) und Ikonnikov Unentschieden. Döttling: "Ich habe schlecht geschlafen und auch Kopfweh gehabt. Mein Gegner hat mich mit seiner Eröffnungswahl überrascht. Obwohl ich leichten Vorteil behaupten konnte, wollte ich nichts riskieren." Für den angehenden Lehrer reicht das Remis, um die Tabellenspitze zu verteidigen. Gasthofer kann Tomashevsky ein Schwarzremis entreißen: "Die Eröffnung war ausgeglichen. Ich habe einen Bauern gewonnen, aber Weiß hatte mit seinem Läuferpaar Kompensation. In der Schlussstellung war nicht klar, wer besser steht." Braun und Meinhardt trennen sich friedlich.
GM Sergey Galdunts, Betreuer der Jugendmannschaft aus der Pfalz, verrät Trainingsgeheimnise einer Ex-Schützlinge Meinhardt und Meier: "Es ist toll, dass Maximilian und Georg jetzt hier beim GM-Turnier mitspielen. Ich habe sie in den letzten Jahren öfters bei den deutschen Meisterschaften betreut. Und nun sind sie auch wieder hier, aber bei einem GM-Turnier. Toll! Mit Maximilian spiele ich zwischen den Runden Tennis." |
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Fotos: Alissa Berger und DSJ
Fabian Döttling ist mit seinem Remis gegen Alexander Gasthofer nicht zufrieden: "Fies von Weiß! Ich wollte spielen, aber er hat mir überhaupt keine Chance gegeben, auch nur das geringste Risiko einzugehen und eine unklare, spielbare Stellung zu bekommen. Dem Remis durch Zugwiederholung konnte ich nicht ausweichen."
Den dritten Sieg des Tages scort Wouter Spoelman (Foto links) gegen den Turnierfavoriten Evgeny Tomashevsky. In einer Spanischen Partie opfert Tomashevsky schon früh eine Qualität. Doch der gerade 16jährige Niederländer gestaltet das Spiel und kann seinen Materialvorteil in knapp 70 Zügen behaupten. Kommentar Braun kommentiert sein 74-zügiges Remis gegen Ikonnikov: "Ich stand ziemlich gut, habe aber viel Gegenspiel zugelassen. In der beiderseitigen Zeitnot hat Weiß die Stellung gerettet." |
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Georg Meier (Foto links) ist der Held des Tages. Er ringt mit den weißen Steinen Maximilian Meinhardt in 41 Zügen nieder und sichert sich mit nun vier Punkten aus achten Runden vor der morgigen Schlussrunde einen Platz im Mittelfeld. Es wird die einzige entschiedene Partie des Tages.
An der Spitze des Turniers ändert sich nichts. Sowohl die Partie Tomashevsky gegen Döttling, als auch die Partie Buhmann gegen Ikonnikov enden schon früh Unentschieden. Döttling: "Ich war bestens vorbereitet und habe eine Variante gespielt, die ich bis heute noch nie auf dem Brett hatte. Die ganze Variante verspricht Weiß nur einen minimalen Vorteil, obwohl es dem Anziehenden in letzter Zeit nicht gelungen ist, dies nachzuweisen. Als Weiß im 20. Zug Remis anbot, war ich immer noch in meiner Vorbereitung bei objektiv ausgeglichener Stellung. Also Remis." " Langweiliges Kraut," urteilt Elisabeth Pähtz mit einem Lachen. "Weiß steht positionell etwas besser, aber taktisch geht da überhaupt nichts." So entscheidet sich das Turnier morgen in vier Fernduellen.
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Fotos: Alissa Berger und DSJ
Ebenso remis trennten sich Vyacheslav Ikonnikov und Georg Meier. Ebenfalls remis die Partie Maximilian Meinhardt gegen Wouter Spoelman.
Kommentar IM Jaroslav Srokowski, Landestrainer Baden-Württemberg: "Romanischin ist auch für mich ein Vorbild. Er zeigt in allen Partien, dass man kämpfen kann. Es gibt keine vorzeitigen Remis bei ihm. Ein Vorbild auch für die Jugend." |
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Sonntag 11. Juni - Tag der Abreise Foto: Alissa Berger Am Sonntag Morgen stand als Letztes die Abreise auf dem Programm. Hinter den Spielern lagen 10 Tage, an denen sie in 9 Runden ergreifende Duelle lieferten.
"Angefangen hat alles mit der Idee, jungen Spielern - vor allem
Mitgliedern der Jugendolympiamannschaft - die Möglichkeit zu bieten,
eine Norm zu erspielen.", so Dieter Auer, President der KSA. Ein
Termin wurde festgelegt, eine Örtlichkeit gefunden, ein Teilnehmerfeld
zusammengestellt. Die Siegerehrung fand im Rahmen der Siegergala der Deutschen Jugendeinzelmeisterschaften statt (s. Foto unten).
v.l.n.r.: |