GM Turnier Hockenheim/Willingen - Juni 2006

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Donnerstag, 1. Juni
Runde 1

Fotos: Andreas Baur

Fünf ausgekämpfte Partien sah der erste Tag des Großmeisterturniers im Motodrom Hotel am Hockenheimring. Ein sportlicher Rahmen, ein kämpferischer Klangrahmen. Und vier Sieger. Am Brett und nicht auf der Piste.

Vyacheslav Ikonnikov nutzt die Zeitnotprobleme des jungen Niederländers Wouter Spoelman zum entscheidenden Königsangriff. "Ich habe viel Zeit im Mittelspiel verloren.", so der 16jährige. So profitierte Ikonnikov: "Weiß hatte zu wenig Zeit für eine komplizierte Stellung." Zwei, drei ungenaue Züge und der König stand zu offen, darüber sind sich beide einig. Der erfahrene Russe siegt.

Im Duell der Nachwuchsspieler setzt sich Georg Meier gegen Alexander Gasthofer durch.

Trotz seines Anzugsvorteils: Oleg Romanischin kann Max Meinhardt (Bild links) auch nach knapp vierzig Zügen nicht schlagen; das einzige Remis an diesem Tag.

Fabian Döttling zollt seinem Gegner Rainer Buhman Respekt: "Rainer stand nach der Eröffnung besser. Statt 13. - a6 wäre Sf6-d7 genauer gewesen." 29. f4 verpasst Buhmann. Döttling: "Ein starker Zug. Da gäbe es dann viel zu rudern für mich, sehr unangenehm für Schwarz zu spielen." Doch nach der verpassten Chance steht Döttling besser und läßt sich die Gelegenheit zum Sieg nicht nehmen.

Evgeny Tomashevsky und Arik Braun (Bild rechts) ringen über fünf Stunden um den Sieg. Brauns scharfer Aufbau gegen den Nimzoinder endet in wilden Königsjagden. Ist es zunächst der schwarze König um den die Zuschauer bangen, gerät nach einem schönen Qualitäsopfer die weiße Stellung unter Druck. Braun gibt drei Bauern zurück, doch sein zweiter Angriff auf den schwarzen Monarchen scheitert an den Verteidigungskünsten des Russen.

Tomashevsky, Döttling, Meier und Ikonnikov heißen die Sieger des Tages.


Freitag, 2. Juni
Runde 2

Fotos: Alissa Berger

Der Hockenheimer Rainer Buhmann (Foto rechts) nimmt nach seiner Vortagsniederlage mit einem Sieg gegen Arik Braun wieder Fahrt auf. "Wir waren beide nicht auf die Eröffnungsfeinheiten vorbereitet. Statt 8. Se5 ist 0-0 wohl üblicher. Später wurde die Partie taktisch und unklar. Nach 21. - Dc4 hätte 22. Lf2 Chancen gewahrt. Nach dem Qualitätsopfer hat Weiß Probleme." Mit einem Punkt aus zwei Runden ist er nicht unglücklich: "Die nächsten beiden Runden habe ich Weiß, wenn ich daraus etwas machen kann, bin ich zufrieden."

Evgeny Tomashevsky (Foto links) erkämpft mit einem Sieg über Maximilian Meinhardt die Führung im Turnier . "Bei meiner Vorbereitung bin ich auf 9. a3 gestoßen. Das gewährt Weiß einen kleinen, aber dauerhaften Vorteil. Daher hat mir dieTechnik bei der Arbeit geholfen. Schwarz hat interessant gespielt, aber der Damentausch auf b3 war schlecht." Der Russe ist mit seinem Start zufrieden, doch "wir sind am Beginn des Turniers. Da muss man von Partie zu Partie weitersehen.", lacht der ELO-Favorit.


Alexander Gasthofer (Foto rechts) siegt im heutigen Duell der Youngsters gegen den Wouter Spoelman. "Ich habe einen Bauern gewonnen gegen Kompensation. In der Zeitnotphase konnte ich einen zweiten Bauern gewinnen. Trotz ungleichfarbiger Läufer, das Endspiel war gewonnen.", so der Sieger.

Die Partien Döttling gegen Meier und Ikonnikov gegen Romanischin enden Unentschieden.

Georg Meier nimmt dabei eine schwierigeres Endspiel auf sich: "Das Läuferpaar habe ich aufgegeben, weil ich den entstehenden Stellungstyp gut kenne. Ich stand schlechter, aber konnte alles gut zusammenhalten." In der Partie der Veteranen übernimmt Ikonnikow mit einem Doppelbauer auf c3 und c4 "eine große Veranwortung" (Romanischin). Doch er übersieht beim Tausch 16. cd5 die Antwort 16. - f5.

Nebenbei erwähnt...
Über das Leben eines Schiedsrichters…

… Hat ein Schiedsrichter denn während eines Turniers ein LEBEN ??? Ein Schiedsrichter hat bei einem Open durchaus einen 12-Stunden-Tag, mehr als so mancher Bürohengst in seinem Arbeitsleben. Und das ohne Mittagspause! Außerdem legt er bis zu 13 km zu Fuß zurück – durch den Turniersaal, Trepp auf, Trepp ab.
Manchmal kann das Dasein auch Stress bedeuten, denn er sollte nicht nur für das Einhalten der Regeln sorgen, sondern auch Probleme zwischen Spielern schlichten. Aber es gibt auch ruhige Events, wie beispielsweise ein Rundenturnier, bei dem es hauptsächlich um die Überwachung der Uhren geht. Wenigsten haben die werten Herren, die angeblich die Besten sind, wenn sie nicht bemerkt werden, wenigstens dort ein LEBEN nach den Partien.

Das Leben der Schiedsrichter wird auch von der FIDE unterstützt – durch die neue Bedenkzeit. Diese ist durchaus Schiedsrichter freundlich, denn das „wilde Gezocke“ in der Zeitnotphase fällt weitgehend weg. Entsprechend muss der Herr in Schwarz weniger eingreifen – hat er dadurch ein langweiligeres LEBEN? Bestimmt nicht, aber dafür ein Schöneres.

Aber wie sieht es mit Schiedsrichtern überhaupt aus? Wissen eigentlich die Vereinsmitglieder, dass ausgebildete Schiedsrichter Mangelware sind und für entsprechende Turniere oft Schiedsrichter von außerhalb geholt werden müssen? Bestimmt nicht, denn viele halten ihren Schachsport für eindeutig und den Schiedsrichter nur für denjenigen, der die Partieformulare einsammelt und die Ergebnisse weiterleitet. Doch weit gefehlt – es kommt weit öfters zu Regelwidrigkeiten als gedacht wird, denn viele Spieler kennen die Regeln nicht tiefgründig genug. Was wäre in solchen Situationen ohne Schiedsrichter ?

Deshalb: Es sollten mehr Schiedsrichter ausgebildet und Spieler sollten dazu verpflichten werden, das Regelwerk genau zu studieren, vor allem dann, wenn sie zu Unrecht reklamiert haben.

(Alissa Berger)

 

Samstag, 3. Juni
Runde 3

Fotos: Alissa Berger

Der heutige Tag bringt zwei Zimmergenossen gegeneinander. Georg Meier spielt mit Weiß gegen Arik Braun (Foto rechts). Braun greift in die Trickkiste und gewinnt das JOM-Duell gegen Meier nach einer überraschenden Eröffnungswahl im Sizilianer. Meier: „Arik spielte eine zweifelhafte Variante. Doch anstatt in eine klar bessere Stellung abzuwickeln, habe ich einen Bauern eingestellt und damit stand ich schon in der Eröffnung auf Verlust. Danach leistete ich nicht mehr wirklich Widerstand.“ Er schüttelt den Kopf über sich selbst, Braun nickt beipflichtend – dann analysieren sie in aller Freundschaft weiter.

Nach beidseitig scharfem Spiel endet die Caro-Kann Partie zwischen Wouter Spoelman und Fabian Doettling mit einem Unentschieden. Döttling:" Meine Zeiteinteilung war furchtbar. Statt 26. - Ld6 wäre Lc5 besser gewesen. Das verhindert Db3 wegen Se4. Nach 26. - Ld6 27. f3 Lc5 kontrolliert Weiß das Feld e4 und kann Db3 spielen. Die Stellung ist unklar." Spoelman: "Ja, einige von Fabians Zügen waren nicht ganz genau. Doch ich fand keinen klaren Plan, so habe ich zu d6-d7 gegriffen, um die Stellung in der Zeitnot kompliziert zu machen." Döttling: "Nach 34. Dc6 droht Sd6: Dann ist 36. Tc5: die Folge. Nun geht bc: nicht wegen Sa5 und der weißen Felderschwäche auf der Diagonale a8-d5. "


In der zweiten Gewinnpartie des Tages zeigt Vyacheslav Ikonnikov (Foto links) im Endspiel die Kraft des Läuferpaars und siegt in 62 Zügen gegen Maximilian Meinhardt. "Es war keine leichte Partie, das Endspiel war nicht korrekt gespielt, aber am Ende habe ich gewonnen", kommentiert der zurückhaltende Sieger seine Partie.

 

Der 54jährige Oleg Romanischin (Foto rechts unten) erzielt mit Weiß gegen den 21jährigen Alexander Gasthofer einen kleinen Eröffnungsvorteil. Er verdichtet seine Stellungsvorteile, gewinnt einen Bauern, doch das Turmendspiel endet mit einem Remis.

Drei Bauern, Springer und eine aktive Stellung gegen einen Turm reichen Rainer Buhmann nicht Evgeny Tomashevskys zähen Verteidigungszauber zu überwinden. "Es ist unmöglich eine solche Stellung nicht zu gewinnen", kommentiert Tomashevsky erleichtert sein Entkommen nach 81 Zügen.

Und so endet der Tag mit der gemeinsamen Tabellenführung von Ikonnikov und Tomashevsky (2,5/3) und für einige Nachwuchsspieler im Hockenheimer Aquadrom.

Sonntag, 4. Juni
Runde 4

Fotos: Alissa Berger

Wouter Spoelman (Foto links) findet den Weg aus dem Tal der Niederlagen zurück an die Sonne. Er schlägt heute Arik Braun. "Nach der Eröffnung stand Weiß etwas besser und ich hatte Schwierigkeiten einen guten Plan zu finden. Arik plante mit La3-b2 und Da1 auf der langen Diagonale Druck zu machen. Ich habe versucht das zu blockieren." Es war der 15jährige Schüler einer Niederländischen Sportförderschule der nur mit wenigen Minuten auf der Uhr ständig am Rande der Zeitnot stand und Braun, der mit einer knappen Stunde mehr keinen Gewinnplan. "24. Dc1 verliert". Ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk für Spoelman: Am morgigen Pfingstmontag feiert er seinen 16. Geburtstag.

Im Duell der beiden führenden Vyacheslav Ikonnikov und Evgeny Tomashevsky siegt die Friedfertigkeit. " Es war ein kompliziertes Spiel. Weiß hat keine Eröffnungsvorteile bekommen. Und wir waren beide vorsichtig," resümiert Ikonnikov. Es war für beide das erste Aufeinandertreffen am Brett. "Zu Halbzeit des Turniers bin ich zufrieden, aber ich muß auch gut in der zweiten Hälfte spielen."

"Ich bin ein Vollidiot," Fabian Döttlings Emotionen nach seiner Partie gegen Oleg Romanischin sind groß. "Erst überspiele ich die schwarze Stellung völlig, dann bin ich zu ungeduldig." Mit 27. b5 greift er fehl (besser 27. Lc4). Nach dem Tausch auf b5 antwortet der Ukrainer ad hoc mit 28. - a5 und was selbst für geübte Laien nach Bauernverlust und Qualitätseinsteller aussieht, entpuppt sich als chancenreiches Gegenspiel. Die weißen Bauern f4 und g5 werden schwach. Remis.

Max Meinhardt (Foto links) kann gegen Alexander Gasthofer seine erste Partie gewinnen. Und das mit Schwarz. Gasthofer überrascht mit 1. e4, Meinhardt geht mit 1. -c5 ungewohnte Wege. Doch die führen dann in für Weiß vorteilhafte Gefilde der Französischen Partie. " Es waren vier ungenaue, weiße Züge zwischen dem 26. und 30. Zug, die die Partie entschieden. Letztlich ist 30. a4 der entscheidende Fehler", so der siegreiche Abiturient und zukünftige Bundeswehrsoldat. Gasthofers Zeitbudget war die ganze Partie über angespannt. Meinhardt ist zufrieden: "Gegen die drei ELO-schweren Gegner habe ich schon gespielt, heute ein Schwarzsieg. Da kann ich den Sieg heute vor dem freien Tag genießen und ein wenig feiern."

Rainer Buhmann (Foto rechts) folgt gegen Georg Meier der Partie Georgiev - Anand, kennt auch die Verbesserungen für das weiße Spiel und steht gegen JOM-Mitglied Georg Meier üppig. Doch nach 35. h3 und der Antwort 36. - Da3 in beidseitiger Zeitnot ist die Stellung zunächst wieder im Lot. 39. - Da1+ jedoch verdirbt die schwarz Stellung, die schwarze Dame fehlt bitter bei der Verteidigung des eigenen Monarchen. Buhmann ist zufrieden im Rückblick auf die ersten vier Tage. "Mit ein bisschen Glück hätte ich einen Punkt mehr gemacht. Doch wer weiß, ob es dann heute so gut gelaufen wäre, ohne diese Wut im Bauch", lacht der Informatiker. "Ich denke, ich habe gut, aggressiv und interessant gespielt. Es hat mir Spaß gemacht."

Montag, 5. Juni
Spielfrei

Foto: Volker Widmann

Das Großmeisterturnier zieht nach Willingen ins Hotel Sauerlandstern um. Dort findet die zweite Hälfte des Turniers im Rahmen der Deutschen Jugendeinzelmeisterschaften statt.
Vor dem Umzug konnten die Teilnehmer das Rennsportmuseum Hockenheim besichtigen. Einige nahmen die Möglichkeit wahr, eine Runde mit dem Fahrsimulator um den Ring zu drehen. Hier im Bild Georg Meier.



 

Dienstag, 6. Juni
Runde 5

Fotos: Alissa Berger


Georg Meier und Evgeny Tomashevsky trennen sich heute nach wenigen Zügen remis. 'Es war eine kurze, aber komplizierte Partie.", so Tomashevsky. Am Ende hatte Weiß nur noch knapp über 20 Minuten. "Ich wäre wohl in Zeitnot geraten." - so Meier. Nach Meinung des Großmeisters stand Weiß ein wenig besser, doch das schwarze Gegenspiel mit Hilfe des Läuferpaars sei auch nicht zu unterschätzen. Auch Wouter Spoelman und Rainer Buhmann trennten sich remis. Der Hockenheimer Buhmann: "Es war eine ambitionslose Eröffnung. Weiß tauscht einfach nur ab, um Remis zu machen."

 


Maximilian Meinhardt verliert gegen Fabian Döttling (Foto rechts) - dabei kämpft Schwarz nach einer zweifelhaften Variante ums Überleben. "Die Partie wurde einzügig eingestellt.", so der Sieger. Vyacheslav Ikonnikov kann mit Weiß ebenfalls keinen Punkt holen - er verliert gegen Alexander Gasthofer. "Ich habe heute so schlecht gespielt, wie man es sich gar nicht vorstellen kann.", kommentiert der Russe seine Partie. "Solche Tage gibt es ..."


Oleg Romanischin (Foto links) behält gegen Arik Braun die Oberhand und sichert seinen ersten Sieg. Der junge Deutsche stand anfangs besser, verschlechterte seine Stellung durch ungenaue Abtausche jedoch sukzessive.

Und morgen ist für alle ein neuer Tag mit neuen Gegnern...

 

Mittwoch, 7. Juni
Runde 6

Fotos: Alissa Berger und DSJ

Drei schnelle Remis bringt der sechste Spieltag des Turniers. Im Spitzenduell trennen sich Döttling (Foto rechts) und Ikonnikov Unentschieden. Döttling: "Ich habe schlecht geschlafen und auch Kopfweh gehabt. Mein Gegner hat mich mit seiner Eröffnungswahl überrascht. Obwohl ich leichten Vorteil behaupten konnte, wollte ich nichts riskieren." Für den angehenden Lehrer reicht das Remis, um die Tabellenspitze zu verteidigen.

Gasthofer kann Tomashevsky ein Schwarzremis entreißen: "Die Eröffnung war ausgeglichen. Ich habe einen Bauern gewonnen, aber Weiß hatte mit seinem Läuferpaar Kompensation. In der Schlussstellung war nicht klar, wer besser steht." Braun und Meinhardt trennen sich friedlich.

 

Rainer Buhmann (Foto links) siegt gegen Oleg Romanischin. "Aus der Eröffnung kommend stehe ich nach 10. Tb1 schlechter. Aber Schwarz stellt mit 19. Se4 Material ein. Und die technischen Probleme konnte ich meistern." Damit spielt sich der Hockenheimer zu Döttling und Tomashevsky an die Tabellenspitze und darf weiter auf eine GM-Norm hoffen.



Auch Georg Meier (Foto links)hat einen erfolgreichen Tag. Er bezwingt Wouter Spoelman in 43 Zügen und wahrt zumindest eine theoretische Chance auf eine GM Norm. Wenngleich - drei Siege in den verbleibenden Runden sind jedoch eine recht hohe Hürde.

GM Sergey Galdunts, Betreuer der Jugendmannschaft aus der Pfalz, verrät Trainingsgeheimnise einer Ex-Schützlinge Meinhardt und Meier: "Es ist toll, dass Maximilian und Georg jetzt hier beim GM-Turnier mitspielen. Ich habe sie in den letzten Jahren öfters bei den deutschen Meisterschaften betreut. Und nun sind sie auch wieder hier, aber bei einem GM-Turnier. Toll! Mit Maximilian spiele ich zwischen den Runden Tennis."


Donnerstag, 8. Juni
Runde 7

Fotos: Alissa Berger und DSJ

Wieder schlägt Romanischin (Foto links) zu. War er in Hockenheim mit vier ausgekämpften Remis letztlich friedlich, so gibt es in Wilingen für ihn nur Sieg oder Niederlage. Der Ukrainer Oleg Boguslavsky (spielte für Viernheim in der zweiten Bundesliga) über seinen Landsmann: "Romanischin kennt jeder Schachspieler in der Ukraine. Er war schon über 2600 ELO schwer. Er kommt aus der berühmten Schachschule von Lviv (Lemberg). Überzeugt hat mich seine Gewinnpartie gegen Ivanchuk 2004 bei der ukrainischen Meisterschaft. Die müsst ihr euch anschauen!"

Fabian Döttling ist mit seinem Remis gegen Alexander Gasthofer nicht zufrieden: "Fies von Weiß! Ich wollte spielen, aber er hat mir überhaupt keine Chance gegeben, auch nur das geringste Risiko einzugehen und eine unklare, spielbare Stellung zu bekommen. Dem Remis durch Zugwiederholung konnte ich nicht ausweichen."


Rainer Buhmann (Foto rechts) siegt erneut. Mit einem Schwarzsieg gegen Max Meinhadt behauptet als einziger des Führungstrios seinen Platz an der Tabellenspitze. "Meine Vorbereitung kam aufs Brett. Die Stellung war ausgeglichen, aber da viele Figuren auf dem Brett blieben sehr gut auf Gewinn spielbar. Statt 22. Sfe5 ist Sge5 genauer, das hat Weiß versäumt. Nach 26...Lxb5 hätte Weiß 27.Dxd4 probieren sollen, aber ebenfalls mit besserem Spiel für Schwarz." Einer Diskussion über einen möglichen Turniersieg kann er nun kaum mehr ausweichen: "Ich weiß noch nicht, ob ich es darauf anlegen soll, das Turnier zu gewinnen. Vielleicht kostet das ja die GM-Norm."

 

 

 

 

Den dritten Sieg des Tages scort Wouter Spoelman (Foto links) gegen den Turnierfavoriten Evgeny Tomashevsky. In einer Spanischen Partie opfert Tomashevsky schon früh eine Qualität. Doch der gerade 16jährige Niederländer gestaltet das Spiel und kann seinen Materialvorteil in knapp 70 Zügen behaupten.

Kommentar Braun kommentiert sein 74-zügiges Remis gegen Ikonnikov: "Ich stand ziemlich gut, habe aber viel Gegenspiel zugelassen. In der beiderseitigen Zeitnot hat Weiß die Stellung gerettet."


Freitag, 9. Juni
Runde 8


Fotos: DSJ

Georg Meier (Foto links) ist der Held des Tages. Er ringt mit den weißen Steinen Maximilian Meinhardt in 41 Zügen nieder und sichert sich mit nun vier Punkten aus achten Runden vor der morgigen Schlussrunde einen Platz im Mittelfeld. Es wird die einzige entschiedene Partie des Tages.

 

 

96 Züge dauert die Schlacht zwischen Wouter Spoelman (Foto rechts) und Oleg Romanischin. In einer Spanischen Partie erlangt der Ukrainer mit Schwarz Vorteil, gewinnt gar einen Bauern und setzt Spoelman auch im Turmendspiel unter Druck. Doch die Technik des 16jährigen Schülers hält dem Beschuss des Großmeisters auch nach knapp sechs Stunden Spielzeit stand.

An der Spitze des Turniers ändert sich nichts. Sowohl die Partie Tomashevsky gegen Döttling, als auch die Partie Buhmann gegen Ikonnikov enden schon früh Unentschieden. Döttling: "Ich war bestens vorbereitet und habe eine Variante gespielt, die ich bis heute noch nie auf dem Brett hatte. Die ganze Variante verspricht Weiß nur einen minimalen Vorteil, obwohl es dem Anziehenden in letzter Zeit nicht gelungen ist, dies nachzuweisen. Als Weiß im 20. Zug Remis anbot, war ich immer noch in meiner Vorbereitung bei objektiv ausgeglichener Stellung. Also Remis." " Langweiliges Kraut," urteilt Elisabeth Pähtz mit einem Lachen. "Weiß steht positionell etwas besser, aber taktisch geht da überhaupt nichts."

So entscheidet sich das Turnier morgen in vier Fernduellen.

 

Samstag, 10. Juni
Runde 9

Fotos: Alissa Berger und DSJ


Rainer Buhmann (Foto links) remisiert gegen Alexander Gasthofer und hat nun nicht nur eine weitere GM-Norm, sondern auch 6,0 Punkte! "Ich wollte heute nichts riskieren. Hätte ich verloren, dann hätte ich im dümmsten Fall weder die Norm noch den Turniersieg." Nun hat er beides.

 

 

 

 


Fabian Döttling (Foto rechts, rechts im Bild gegen Braun links), der zum Turniersieg einen ganzen Punkt benötigte, konnte Arik Braun nicht bezwingen. Braun: "Eigentlich stand Fabian besser, mit seinen zwei Freibauern. Aber er war in Zeitnot und dann konnte ich noch herum murksen."

Ebenso remis trennten sich Vyacheslav Ikonnikov und Georg Meier. Ebenfalls remis die Partie Maximilian Meinhardt gegen Wouter Spoelman.


Die einzige Gewinnpartie bis dato war die Partie Oleg Romanischin gegen Evgeny Tomashevsky (Foto Romanischin), in der der an Nummer 1 gesetzte Russe verlor. "Ich machte ein paar blöde Fehler", kommentierte der Verlierer seine Partie.

Kommentar IM Jaroslav Srokowski, Landestrainer Baden-Württemberg: "Romanischin ist auch für mich ein Vorbild. Er zeigt in allen Partien, dass man kämpfen kann. Es gibt keine vorzeitigen Remis bei ihm. Ein Vorbild auch für die Jugend."

Sonntag 11. Juni - Tag der Abreise

Foto: Alissa Berger

Am Sonntag Morgen stand als Letztes die Abreise auf dem Programm. Hinter den Spielern lagen 10 Tage, an denen sie in 9 Runden ergreifende Duelle lieferten.

"Angefangen hat alles mit der Idee, jungen Spielern - vor allem Mitgliedern der Jugendolympiamannschaft - die Möglichkeit zu bieten, eine Norm zu erspielen.", so Dieter Auer, President der KSA. Ein Termin wurde festgelegt, eine Örtlichkeit gefunden, ein Teilnehmerfeld zusammengestellt.

Dann kam der Tag, an dem die 10 Spieler, die zusammen ein Turnier der Kategorie 10 bildeten, sich im Motodrom Hotel in Hockenheim einfanden und dort 4 Runden hochkarätiges Schach mit Höhen und Tiefen boten. Danach stand der Umzug nach Willingen an, wo die letzten 5 Runden im Spielsaal bei den Deutschen Jugendeinzelmeisterschaften ausgetragen wurden. Nachdem die Zuschauerzahl in Hockenheim doch recht überschaubar war, wurde den Spielern in Willingen großes Interesse entgegen gebracht, für das sie sich mit spannenden Partien bedankten.

Am Ende lag Rainer Buhmann auf Platz 1. Mit seinem Sieg kam er dem Großmeistertitel einen großen Schritt näher - seine 2. GM-Norm. Er war der Einzige, dem es gelungen war, eine Norm zu erspielen.

Die Siegerehrung fand im Rahmen der Siegergala der Deutschen Jugendeinzelmeisterschaften statt (s. Foto unten).

 

v.l.n.r.:
Dieter Auer( Präsident KSA), GM Evgeny Tomashevsky, IM Arik Braun, FM Maximilian Meinhardt, Georg Meier, IM Alexander Gasthofer, GM Vyacheslav Ikonnikov, GM Oleg Romanischin, GM Fabian Doettling, IM Rainer Buhmann, Klaus Deventer (ISR)
fehlend: IM Wouter Spoelman

  

     Grußwort des Schirmherrn ...